Fundstücke #3

„Abends sitze ich in der Straßenbahn und stelle mir vor, draußen wäre alles nur Kulisse. Die Häuser nur dünne Holzfassaden, hinter den Fenstern Scheinwerferlicht. Die Bahn hält an und zwei Statisten steigen ein.“

Fundstücke #2

Sie war zwar müde, aber eigentlich war es trotz allem immer noch ihre Zeit. Die Zeit, wenn überall da Ruhe einkehrt, wo tagsüber Trubel herrscht und sich Menschenmassen von A nach B bewegen. Wenn nur vereinzelt mal jemand vorbei kommt und man alleine, ganz für sich durch die Straßen spazieren und sich ausmalen kann, was sich hinter den teils noch erleuchteten Fenstern wohl abspielen mag, welche Persönlichkeiten die Häuser bewohnen, welche Geschichten sich hinter den Mauern verbergen. Was mag der junge Mann wohl gerade denken, der, mit dem Rücken ans Fenster gelehnt, ein Glas Wein in der Hand, scheinbar gedankenverloren in das dunkle Zimmer starrt? Wer hat sich diese sonderbare Seilkonstruktion ausgedacht, an der in dem Zimmer dort drüben eine Lampe gerade so hoch an der Decke angebracht ist, dass man sich nicht den Kopf daran stößt? Wären wir gute Freunde, ich und das Mädchen aus dem Haus mit den blauen Fensterläden, wenn wir uns nur mal begegnen würden? Gedankenverloren ging sie durch die Straßen und war fast überrascht, als sie sich schließlich vor ihrer Haustür wiederfand.

Lexikon des Wortwörtlichen, 1

in Worte fassen:

1. ein unbekanntes Gefühl oder einen flüchtigen Augenblick mit goldglänzenden Wörtern einrahmen und an einen Ehrenplatz in der Galerie der manifesten Empfindungen hängen

2. mit beiden Händen tief in einen Sack voller Wörter eintauchen und mit den Fingern vorsichtig den Inhalt ertasten. Es knistert, mache Wörter sind kalt und glatt, andere – autsch! haben scharfe Kanten

Baustellen

Nicht nur einschlägig bekannte Bahnhöfe und Flughäfen können zu ewigen Baustellen werden – auch im ganz normalen Leben jeder durchschnittlichen Person liegen ab und an Ziegelsteine, Holzbalken und Stahlstreben kreuz und quer zwischen Baggern, Betonmischern und Holzzäunen herum, auf denen steht: Baustelle. Zutritt verboten. Eltern haften für ihre Kinder.

Gut, das war keine besonders elegante Metapher. Aber wie auf einer echten Großbaustelle zimmert man fast immer an irgendetwas herum, stopft Löcher, legt Fundamente für neue Unternehmungen. Man bastelt an seiner Zukunft, renoviert eingestaubte Sprachkenntnisse oder versucht, sein Wissen über ein bestimmtes Thema immer auf dem neusten Stand der Technik zu halten. Manchmal streicht man vielleicht nur ein Zimmer neu, verbringt seinen Urlaub statt am Meer mal in den Bergen, manchmal baut man ein ganz neues Haus, nimmt etwas völlig anderes, frisches in Angriff. So ein Leben hat ziemlich viel Baustellenpotential, wenn man mal darüber nachdenkt, wie leicht man schon mit wenigen Handgriffen ein abgewohntes Möbelstück in einen echten Blickfang verwandeln kann.

In bestimmten Phasen des Lebens boomt die Baubranche besonders. Zum Beispiel in den Ferien, wenn viel Zeit bleibt für Dinge, die man lange schon in Angriff nehmen wollte, oder am Ende eines Lebenskapitels, wie dem Abitur oder einem Uniabschluss. Ebenso aber auch mit Beginn des nächsten Kapitels, der Ehe, der Elternschaft, einer Weltreise oder mit dem Umzug in eine neue Stadt.

Die Möglichkeiten sind unbegrenzt, als Architekt, Bauleiter und Maurermeister in Personalunion haben wir die volle Kontrolle über alle baulichen Veränderungen, die wir an unserem Leben so vornehmen wollen. Wir können uns also so richtig austoben, langweilig wird uns dabei mit Sicherheit nicht.

Natürlich läuft dieser Text auf etwas hinaus. Auch ich bin gerade dabei, mal wieder ein paar Baugründe zu umzäunen, Pläne zu zeichnen und die Bagger ins Rollen zu bringen. Bis der Abschluss fertig gestellt ist, will die Zukunftsplanung schon begonnen sein und auch hier auf Ännchen von Radau soll sich etwas tun! Gut möglich, dass in der nächsten Zeit nicht jeder Donnerstag Blogtag sein wird oder dass ich zeitweise weniger Eigenes, dafür mehr Hinweise auf bestaunenswerte fremde Beiträge veröffentlichen werde. Ich würde mich freuen, trotzdem auch weiterhin neue wie bekannte Besucher begrüßen zu dürfen. Denn an dieser Stelle hinkt der Baustellenvergleich gewaltig: der Zutritt ist natürlich nicht verboten!

Things about your life: Your 5 favourite places

Schon seit Januar läuft auf Inas Blog die Aktion „Things about your life“. Jeden Monat gibt es ein neues Thema, von Vorsätzen für das neue Jahr über den perfekten Tag im Bett bis zu fünf heißen Tipps für einen Frühlingstag war schon viel Schönes dabei. Jetzt will ich auch endlich mal mitmachen, und da mir das Mai-Thema – fünf Lieblingsplätze – gut gefällt, hier nun mein Beitrag! Mehr Infos zur Aktion findet ihr hier.

Wasser_kleiner

Einfach am Wasser zu sitzen und zu zusehen, wie es vor sich hinfließt, ist so unglaublich beruhigend. Gleichzeitig ist Wasser lebendig, immer in Bewegung, frei in seiner Form und kaum aufzuhalten. Ein kleiner Spaziergang am Fluss oder am Meer entlang kann entspannender sein als ein Kurzurlaub, deshalb finde ich, dass jede Stadt zumindest einen Fluss haben sollte! Meer ist dann noch die Luxusvariante.

abseits_2

Wenn man in einer Stadt wohnt, in der viel Verkehr oder Touristenmassen ständig für Hektik und Unruhe sorgen, dann hat man schon mal ab und an genug davon und würde am liebsten eine Weile aussteigen. Wie gut, wenn es da Parks, Gärten und Wälder gibt, die, nicht weit vom Chaos entfernt, mit ihren grünen Mauern alles abschirmen und einen mal wieder tief durchatmen lassen.

über_2

Ich finde es wunderbar, auf Aussichtspunkte oder Kirchtürme zu steigen und Alles von oben betrachten zu können. Wenn die Menschen unter einem plötzlich ameisenklein werden und sich die Puzzleteilchen endlich zu einem ganzen Stadtbild zusammenfügen, ist das ein wunderbares Gefühl.

küche

In vielen WGs ist die Küche das Herzstück der Wohnung. Kein Wunder – hier gibt es Essen, Gesellschaft und bei WG-Partys oft die interessantesten Gespräche! Wenn sie dann noch über einen großen Tisch verfügt, ist die Küche außerdem der perfekte Lernort, wenn das eigene Zimmer zu unaufgeräumt oder zu voll mit Ablenkung ist.

zug

Zugfahren ist meine Lieblingsart  zu Reisen. Fliegen ist zwar ganz nett, schnell, bequem und mit etwas Glück hat man eine gigantische Aussicht, aber wenn das Ziel nicht allzu weit entfernt ist, bevorzuge ich die Bahn. Verspätungen hin oder her, im Zug habe ich dafür das Gefühl, wirklich unterwegs zu sein, ich kann die Strecke, die ich zurücklege sehen und spüren und wenn es nicht gerade nur durch Tunnel geht, kann man die schöne Aussicht genießen. Sehr empfehlenswert sind die Strecke durch die Alpen von München aus Richtung Italien und die IC-Strecke ab Mainz am Rhein entlang bis Bonn!

Was sind eure Lieblingsorte?