10 Tipps für’s Auslandssemester

Mein Auslandsjahr neigt sich dem Ende zu, und so langsam fängt man an, Bilanz zu ziehen. Was mir das Jahr persönlich gebracht hat, darüber möchte ich noch ein bisschen nachdenken. Was ich künftigen Erasmusstudenten gerne mit auf den Weg geben würde, das habe ich schon überlegt und hier für euch aufgeschrieben. Länderspezifische Hinweise und Tipps zu bürokratischem Kram, Krankenversicherung, Bankkonto und Co. habt ihr vermutlich schon von eurer Heimatuni erhalten. Hier geht es mehr um allgemeine Tipps, die für jedes Zielland gelten:

 

1. Nimm zwei

Wenn ein längerer Auslandsaufenthalt im Studienplan nicht fest vorgesehen ist, dann entscheidet man sich ja oft dafür, nur für ein Semester ins Ausland zu gehen. Etwa, weil sich das Studium sonst verzögern könnte, da nicht alle Kurse angerechnet werden könnten, oder vielleicht auch aus Angst, in der Heimat den Anschluss zu verlieren. Trotzdem – überlegt euch gut, ob ihr nicht vielleicht doch für ein ganzes Jahr gehen wollt! Ein Semester kann so schnell vorbei sein, ganz besonders, wenn an eurer Gastuni das Semester schon vor Weihnachten endet. Und dann ist’s schon vorbei. Und ihr habt euch gerade erst eingelebt, Leute kennengelernt, kapiert, wie alles funktioniert. Ein oder zwei Semester länger zu studieren, weil man im Ausland war, ist wirklich keine Schande und mit Facebook, Email, Skype und Ryanair ist man ja nicht aus der Welt!

2. Geheimtipps sammeln

Wenn ihr wisst, wo es hingehen soll, dann sprecht mal mit Leuten, die am gleichen Ort Erasmus gemacht haben. Oft können die einem wertvolle Tipps geben, egal, ob es um Wohnungssuche oder Freizeitgestaltung geht. Hätte ich nicht auf die Erfahrungen früherer Austauschstudenten zurückgreifen können, hätte ich wohl mehr als einmal stundenlang auf eine Prüfung warten müssen – dass die Reihenfolge nämlich durch die Reihenfolge der Anmeldung festgelegt wird, hatte mir von offizieller Seite vorher keiner gesagt. Ein kleines Achtung allerdings: Tipps sind wertvoll und die ein oder andere Warnung sollte man vielleicht zumindest im Hinterkopf behalten. Achtet allerdings darauf, nicht auch die Urteile eurer Vorgänger zu übernehmen. Schließlich wollt ihr eure eigenen Erfahrungen machen und vielleicht legt ihr ja auf ganz andere Dinge Wert. Eine Stadt muss nicht langweilig und scheiße sein, nur weil es einer einzigen Person dort nicht gefallen hat.

 3. Andere Länder, …

Was ich ebenfalls sehr wichtig finde ist die richtige Einstellung. Es bringt nichts, ins Ausland zu gehen und zu erwarten, dass alles so läuft, wie man das von zu Hause gewohnt ist. Im Gegenteil, manchmal verstärkt das den Ärger nur noch, weil man sowieso nichts daran ändern kann. Es ist zum Beispiel nun mal so, dass man in Italien überall ständig wartet. Sei es bei der Sprechstunde eines Professors, der, nachdem er eine halbe Stunde zu spät gekommen ist, mit jedem Studenten erstmal ausführlich plaudert, sei es bei der Post, die hier nicht nur zum Briefeverschicken, sondern auch zum Rechnungenzahlen da ist. Klar nervt das. Aber was bringt es, sich jedes Mal neu drüber aufzuregen? Besser, man lernt draus und nimmt sich beim nächsten Mal was zur Beschäftigung mit.

Sich auf das Land einlassen heißt auch, neue Dinge auszuprobieren. Zum Beispiel landestypische Gerichte, Musik, Bücher, Bräuche – schließlich will man ja auch seinen Horizont erweitern! Also schaut euch um, fragt nach Spezialitäten, unterhaltet euch mit euren Kommilitonen. Jeder freut sich, wenn sich jemand für seine Kultur interessiert, und manchmal darf man sogar umsonst etwas probieren.

A propos warten. So sieht es hier aus, wenn das Studentensekretariat öffnet

A propos warten. So sieht es hier aus, wenn das Studentensekretariat öffnet…

4. Zuhause sprechen wir Ausländisch

Wer ins Ausland geht, der hat vermutlich auch das Ziel, die Landessprache zu lernen oder seine Sprachkenntnisse zu verbessern. Dies kann sich als schwierig herausstellen, wenn man in einer WG mit anderen Deutschen landet oder untereinander nur Englisch spricht. Wenn ihr also die Möglichkeit habt, dann zieht in eine WG mit einheimischen Mitbewohnern. Außer Sprachpraxis habt ihr so nämlich eventuell auch Hilfe, wenn es mal (bürokratische) Probleme geben sollte, außerdem lernt man so das Leben im betreffenden Land natürlich noch etwas authentischer kennen.

5. Entdeckungstour

Wenn ihr die Möglichkeit habt, euch für die Wohnungssuche ein bisschen Zeit zu nehmen, dann informiert euch auch ein bisschen über die verschiedenen Stadtviertel. In manchen Städten kann es ganz angenehm sein, nicht mitten im Zentrum zu wohnen, sei es wegen Verkehrslärm oder hohem Touristenaufkommen. Wenn ihr eure Wohnung dann gefunden habt: geht auf Entdeckungstour! Findet heraus, wo Einkaufsmöglichkeiten sind, wo man an guten Kaffee kommt, ob es vielleicht einen Park gibt, kurz gesagt, geht auf Schatzsuche und werft euch hinein ins Getümmel!

Dieses nette Fleckchen befindet sich keine 10 Minuten von meiner Wohnung entfernt. Entdeckt habe ich es nach ungefähr neun Monaten

Keine 15 Minuten Fußweg von meiner Wohnung entfernt hört die Stadt auf und fängt die Natur an. Entdeckt habe ich das nach ungefähr neun Monaten.

6. Allein, allein

Wenn ihr an einem auch touristisch interessanten Ort Erasmus macht, dann dürfte die Liste potentieller Besucher lang sein. Und das ist auch gut so, schließlich ist es wunderbar, Familie und Freunden seine neue Heimat zu zeigen, gemeinsam Sehenswürdigkeiten zu besichtigen (etwas, was man alleine eher selten tut), gemeinsam auch mal auswärts zu essen… Wenn ihr zwei Semester weg seit, dann nehmt euch die Freiheit, mit den ersten Besuchen ein bisschen abzuwarten. Wenn man anfangs noch etwas einsam ist dann ist die Versuchung natürlich groß, Verstärkung aus der Heimat anzufordern. Aber es kann gut sein, sich eine Weile alleine durchzuschlagen, denn so findet man dann am Ende auch einen Alltag, Hobbies, Freunde.

7. Wen interessiert’s?

Wenn der Auslandsaufenthalt nicht fester Teil des Studiums ist, kommt es ja leider oft vor, dass man sich nicht alle Kurse anrechnen lassen kann. Wenn es euch schon nicht Credit-mäßig was bringt, dann wählt eben nach euren Interessen aus! Wagt euch an Kurse, die an eurer Heimatuni nicht angeboten werden, probiert auch mal einen Kurs aus, der euch zunächst zu schwer vorkommt – ihr habt nicht viel zu verlieren und Dinge, die einen interessieren, macht man ja bekanntlich auch lieber. Also wählt nicht aus Angst und Bequemlichkeit einen Deutschsprachkurs, weil ihr da mit Sicherheit gute Noten schreiben werdet (was nicht mal so sicher ist – wer von uns hat denn schon mal deutsche Grammatikregeln gepaukt?) sondern sucht euch die Perlen raus!

8. Tandem

Nein, hier mit ist nicht das Fahrrad gemeint. An Unis gibt es immer irgendwen, der Deutsch lernt und gerne seine praktischen Sprachkenntnisse verbessern möchte. Der ideale Partner für ein Sprachtandem! Nichts ist so hilfreich wie Konversation, und wenn beide eine Fremdsprache sprechen müssen, verliert man schnell anfängliche Hemmungen. Suchanzeigen findet man zum Beispiel an schwarzen Brettern in den Sprachlernzentren oder im Internet (Facebookgruppen oder languagetandem.net) und wenn es kein passendes Gesuch gibt, hängt einfach selbst eins auf! Neben der Sprachpraxis lernt man so auch noch neue Leute kennen, mit denen man vielleicht auch außerhalb vom Sprechenüben mal was unternimmt.

9. Do as the Romans do

Mir war es wichtig, das alltägliche (Studenten)Leben in meinem Gastland kennen zu lernen. Wenn man Sprachen studiert, ist man daran vielleicht etwas mehr interessiert, aber auch sonst kann das ja durchaus eine der Erwartungen sein, mit denen man in das Auslandssemester startet. Das „echte“ Leben kennenzulernen fällt natürlich um einiges leichter, wenn man sich auch abseits vom typischen Erasmusleben Beschäftigungen sucht. Informiert euch zum Beispiel, was an der Uni neben den Vorlesungen noch so angeboten wird. Vielleicht gibt es einen Chor oder ein Orchester, oder für die Sportlichen unter euch einen passenden Kurs im Hochschulsport. Alles sind gute Gelegenheiten, um mit einheimischen Studenten in Kontakt zu kommen. Was Veranstaltungen und Partys angeht: haltet die Augen offen! Haltet Ausschau nach Plakaten und findet heraus, ob es vielleicht ein (Online)Stadtmagazin gibt, das über Partys, Ausstellungen, interessante Orte usw. informiert.

10. Erinnerungen schaffen

Während der Zeit in weit weit weg lernt man sehr viel, auch über sich selbst. Um diese Erkenntnisse, Erlebnisse, Erfahrungen festzuhalten, kann man zum Beispiel hin und wieder Tagebuch führen, Fotos machen, einen Blog führen, oder was die Kreativität eben so hergibt.
Aber übertreibt es nicht mit dem Konservieren von Erinnerungen. Denn um Erinnerungen zu schaffen muss man vor allem erst mal eines: leben! Also entdeckt, erlebt, genießt, lasst euch von kleinen Niederlagen nicht einschüchtern und kommt nach eurem Auslandsaufenthalt hoffentlich bereichert wieder nach Hause zurück.

 

Wovon es keine Fotos gibt: das erste Mal Glühwürmchen sehen, in völliger Dunkelheit nur vom Mond beschienen Sterne gucken, dem Stolz, ein langes Gespräch auf Italienisch bestritten zu haben, einem buttergelben, riesengroßen Mond am Dämmerungshimmel über den zartgrünen Hügeln der Toskana

Wovon es keine Fotos gibt: das erste Mal Glühwürmchen sehen; in völliger Dunkelheit nur vom Mond beschienen Sterne gucken; dem Stolz, ein langes Gespräch auf Italienisch bestritten zu haben; einem buttergelben, riesengroßen Mond am Dämmerungshimmel über den zartgrünen Hügeln der Toskana