Der Strumpf

Aber dieser rote Strumpf war vorher nicht da gewesen. Genauer gesagt hatte sie ihn noch nie gesehen. Wäre es ihrer, so hätte sie das wohl gewusst – folglich lag da ein fremder Strumpf in ihrer Schrankschublade.

Ihre Wäsche wusch sie zuhause in ihrer eigenen Waschmaschine, die im Badezimmer stand. Sie konnte den fremden Strumpf also nicht aus dem Waschsalon oder der Waschküche versehentlich mitgenommen haben.

Sie war lange nicht verreist und hatte fast ebenso lange keinen Übernachtungsbesuch da gehabt. Auch so konnte der Strumpf also nicht in ihren Schrank gelangt sein. Und sogar in die richtige Schublade. Hatte sie ihn gar selbst dort hinein geräumt?

Fremde Kleidungsstücke waren zumindest ein ganz kleines bisschen eklig. Wer weiß, wo der Besitzer überall herumgelaufen war. Besonders Strümpfe können davon ein Lied singen. Dieser allerdings schien sauber zu sein. Dennoch. Man bewahrte seine Kleidung doch nur bei anderen Leuten auf, wenn man zu ihnen in einer engeren Beziehung stand, oder zumindest miteinander verwandt war. Kleidungsstücke bei einem Fremden zu hinterlassen war beinahe schon obszön, oder intim, wo war da schon der Unterschied.

Sie blickte angewidert auf den Strumpf, der ihre Privatsphäre verletzte. In den Müll damit, ganz einfach. Doch sie zögerte. Fremdes Eigentum warf man nicht in den Müll, außer es handelte sich um die verschimmelten Tomaten eines Mitbewohners. Was man fand, gab man zurück – aber wem? Einen Aushang zu machen wie für einen zugeflogenen Vogel schien ihr etwas vermessen.

Wem konnte dieser verdammte Strumpf nur gehören? Geschwister hatte sie keine, und ihre Mutter würde farbige Fußbekleidung wohl nur an Fasching tolerieren. Hatte sie den Strumpf am Ende doch selbst gekauft? Aber dann musste ja irgendwo das Gegenstück sein. Und da lag nur ein einziger, fremder roter Strumpf in der Schublade.

Hätte sie sich den Eindringling noch einmal genauer angesehen, so wäre ihr aufgefallen, dass der Strumpf keinesfalls rot, höchstens rötlich war. Besonders hochwertig schien er auch nicht zu sein, die Farbe sah fleckig und ausgewaschen aus. Nicht wie die tomatenrot leuchtende Hose, die sie vor wenigen Tagen gekauft und zur ersten Wäsche allein in die Maschine gestopft hatte. Oder, fast allein. Ein einzelner weißer Strumpf hatte sich ungesehen mit in die Maschine verirrt.

Sommerliste

Was ich gerne tun möchte:

  • in einem See baden (ich übe noch)
  • stapelweise Bücher ausleihen und am Stück verschlingen
  • Briefe schreiben
  • die höchsten Punkte der Stadt ausfindig machen und auf ihre Sonnenuntergangsqualität testen (Sonnenaufgang ist auch in Ordnung)
  • Dinge ausmisten, die ich nicht mehr brauche oder nicht mehr haben will und verschenken oder etwas neues daraus machen
  • ins Freiluftkino gehen
  • Berlins beste Eisdiele finden
  • allgemein draußen sein
  • mehr tun, statt es auf Listen für später zu schreiben

Baustellen

Nicht nur einschlägig bekannte Bahnhöfe und Flughäfen können zu ewigen Baustellen werden – auch im ganz normalen Leben jeder durchschnittlichen Person liegen ab und an Ziegelsteine, Holzbalken und Stahlstreben kreuz und quer zwischen Baggern, Betonmischern und Holzzäunen herum, auf denen steht: Baustelle. Zutritt verboten. Eltern haften für ihre Kinder.

Gut, das war keine besonders elegante Metapher. Aber wie auf einer echten Großbaustelle zimmert man fast immer an irgendetwas herum, stopft Löcher, legt Fundamente für neue Unternehmungen. Man bastelt an seiner Zukunft, renoviert eingestaubte Sprachkenntnisse oder versucht, sein Wissen über ein bestimmtes Thema immer auf dem neusten Stand der Technik zu halten. Manchmal streicht man vielleicht nur ein Zimmer neu, verbringt seinen Urlaub statt am Meer mal in den Bergen, manchmal baut man ein ganz neues Haus, nimmt etwas völlig anderes, frisches in Angriff. So ein Leben hat ziemlich viel Baustellenpotential, wenn man mal darüber nachdenkt, wie leicht man schon mit wenigen Handgriffen ein abgewohntes Möbelstück in einen echten Blickfang verwandeln kann.

In bestimmten Phasen des Lebens boomt die Baubranche besonders. Zum Beispiel in den Ferien, wenn viel Zeit bleibt für Dinge, die man lange schon in Angriff nehmen wollte, oder am Ende eines Lebenskapitels, wie dem Abitur oder einem Uniabschluss. Ebenso aber auch mit Beginn des nächsten Kapitels, der Ehe, der Elternschaft, einer Weltreise oder mit dem Umzug in eine neue Stadt.

Die Möglichkeiten sind unbegrenzt, als Architekt, Bauleiter und Maurermeister in Personalunion haben wir die volle Kontrolle über alle baulichen Veränderungen, die wir an unserem Leben so vornehmen wollen. Wir können uns also so richtig austoben, langweilig wird uns dabei mit Sicherheit nicht.

Natürlich läuft dieser Text auf etwas hinaus. Auch ich bin gerade dabei, mal wieder ein paar Baugründe zu umzäunen, Pläne zu zeichnen und die Bagger ins Rollen zu bringen. Bis der Abschluss fertig gestellt ist, will die Zukunftsplanung schon begonnen sein und auch hier auf Ännchen von Radau soll sich etwas tun! Gut möglich, dass in der nächsten Zeit nicht jeder Donnerstag Blogtag sein wird oder dass ich zeitweise weniger Eigenes, dafür mehr Hinweise auf bestaunenswerte fremde Beiträge veröffentlichen werde. Ich würde mich freuen, trotzdem auch weiterhin neue wie bekannte Besucher begrüßen zu dürfen. Denn an dieser Stelle hinkt der Baustellenvergleich gewaltig: der Zutritt ist natürlich nicht verboten!

Things about your life: Your 5 favourite places

Schon seit Januar läuft auf Inas Blog die Aktion „Things about your life“. Jeden Monat gibt es ein neues Thema, von Vorsätzen für das neue Jahr über den perfekten Tag im Bett bis zu fünf heißen Tipps für einen Frühlingstag war schon viel Schönes dabei. Jetzt will ich auch endlich mal mitmachen, und da mir das Mai-Thema – fünf Lieblingsplätze – gut gefällt, hier nun mein Beitrag! Mehr Infos zur Aktion findet ihr hier.

Wasser_kleiner

Einfach am Wasser zu sitzen und zu zusehen, wie es vor sich hinfließt, ist so unglaublich beruhigend. Gleichzeitig ist Wasser lebendig, immer in Bewegung, frei in seiner Form und kaum aufzuhalten. Ein kleiner Spaziergang am Fluss oder am Meer entlang kann entspannender sein als ein Kurzurlaub, deshalb finde ich, dass jede Stadt zumindest einen Fluss haben sollte! Meer ist dann noch die Luxusvariante.

abseits_2

Wenn man in einer Stadt wohnt, in der viel Verkehr oder Touristenmassen ständig für Hektik und Unruhe sorgen, dann hat man schon mal ab und an genug davon und würde am liebsten eine Weile aussteigen. Wie gut, wenn es da Parks, Gärten und Wälder gibt, die, nicht weit vom Chaos entfernt, mit ihren grünen Mauern alles abschirmen und einen mal wieder tief durchatmen lassen.

über_2

Ich finde es wunderbar, auf Aussichtspunkte oder Kirchtürme zu steigen und Alles von oben betrachten zu können. Wenn die Menschen unter einem plötzlich ameisenklein werden und sich die Puzzleteilchen endlich zu einem ganzen Stadtbild zusammenfügen, ist das ein wunderbares Gefühl.

küche

In vielen WGs ist die Küche das Herzstück der Wohnung. Kein Wunder – hier gibt es Essen, Gesellschaft und bei WG-Partys oft die interessantesten Gespräche! Wenn sie dann noch über einen großen Tisch verfügt, ist die Küche außerdem der perfekte Lernort, wenn das eigene Zimmer zu unaufgeräumt oder zu voll mit Ablenkung ist.

zug

Zugfahren ist meine Lieblingsart  zu Reisen. Fliegen ist zwar ganz nett, schnell, bequem und mit etwas Glück hat man eine gigantische Aussicht, aber wenn das Ziel nicht allzu weit entfernt ist, bevorzuge ich die Bahn. Verspätungen hin oder her, im Zug habe ich dafür das Gefühl, wirklich unterwegs zu sein, ich kann die Strecke, die ich zurücklege sehen und spüren und wenn es nicht gerade nur durch Tunnel geht, kann man die schöne Aussicht genießen. Sehr empfehlenswert sind die Strecke durch die Alpen von München aus Richtung Italien und die IC-Strecke ab Mainz am Rhein entlang bis Bonn!

Was sind eure Lieblingsorte?

Fundstücke #1

Sie liebte es, früh aufzustehen und für ein, zwei Stunden die stille Wohnung noch ganz für sich allein zu haben. In diesen frühen Morgenstunden herrschte eine ganz besondere Stimmung, alles war so ruhig, nur das Knarzen des Holzbodens und das leise Brausen des Verkehrs, der um diese Zeit schon vor dem Haus vorbei floss, füllten den Raum. Die Füße nur mit Strümpfen bekleidet lief sie in die Küche, um Kaffee zu machen. Wenig später gluckerte schon die Kanne auf dem Herd und die Sonne kroch hinter den Häusern hervor und warf ihre ersten Strahlen in den Hinterhof und durch das Küchenfenster.

 

In Worddateien, Notizbüchern, Kalendern und auf Schmierzetteln finde ich immer wieder Anfänge nie geschriebener Artikel und Geschichten, einzelne Sätze, um die noch kein Text gewachsen ist und Gedanken, die noch in Kinderschuhen stecken. Nicht alle haben das Zeug dazu, zu einem fertigen Text heran zu reifen, aber doch hänge ich an manchen so sehr, dass ich sie gerne teilen möchte. Hier und immer dann, wenn mir mal wieder ein paar Zeilen über den Weg laufen, von denen ich mich irgendwie nicht trennen kann.