Bunte Blätter

Es ist wieder Herbst. Ein sonniger Herbst, der mir bunte Blätter in den Fahrradkorb legt und dieses besondere Gefühl von Neugier und Tatendrang in mir weckt, wenn ich in seine kühle Morgenluft hinaustrete. Der beginnende Herbst war für mich immer eine Zeit der Anfänge. Früher war es das neue Schuljahr, in den letzten Jahren oft der Umzug in eine neue Stadt, der Beginn eines Praktikums oder neue Freundschaften, die diese Jahreszeit so aufregend machten. Während mich die brütende Hitze und die unifreien Monate im Sommer oft müde und orientierungslos machen, wächst mit den ersten kühlen Tagen die Lust auf Neues in mir.

Für die zurückliegenden Ferien hatte ich mir so viel vorgenommen. Wissenslücken schließen, Programmieren lernen, vielleicht ein kleines wissenschaftliches Projekt als Testlauf für die Masterarbeit, damit wollte ich die Zeit zwischen Urlaub und Besuchen in der Heimat füllen. Nun geht nächste Woche die Uni wieder los und meine Bilanz fällt eher unbefriedigend aus. Ich habe festgestellt, dass ich wenigstens ein bisschen Struktur brauche. Wenigstens eine Aufgabe, über deren Sinnhaftigkeit ich mir selbst keine Gedanken machen muss. Deshalb hoffe ich jetzt auf den Herbst und auf all das Neue, das er mit sich bringt.

Und sonst?

Sonst freue ich mich momentan sehr über mein Fahrrad, auf dem ich mich dank neuer Bremsklötze nun auch ein ganzes Stück sicherer fühle. Jede Strecke, für die man mit den Öffentlichen bis zu 30 Minuten benötigt, schrumpft auf ein paar angenehme Radminuten zusammen und es kostet mich auf einmal viel weniger Überwindung, noch einmal das Haus zu verlassen, um einzukaufen, Bücher abzugeben oder um einfach draußen gewesen zu sein. Und man nimmt seine Stadt sofort ganz anders wahr, wenn man auf zwei Rädern unterwegs ist. Sie ist viel mehr meins. Das fühlt sich gut an.

Außerdem esse ich so oft wie möglich Kürbissuppe, habe meine Freude am Kochen wiedergefunden und die am Lesen auch. Ich habe es mir zum Ziel gesetzt, sämtliche Staffeln Friends von der ersten bis zur letzten Folge anzuschauen, die Chorproben haben wieder begonnen und ein Programmierbuch hat den Weg von der Bibliothek auf meinen Schreibtisch gefunden.

Über den Tellerrand – Blogparade

Vor Kurzem bin ich spontan Katos Aufruf zur Blogparade gefolgt und habe mir mit dem Ziel, Über den Tellerrand zu bloggen, von einer mir zugelosten Bloggerin eine Aufgabe für einen Blogpost außerhalb meiner üblichen Themen stellen lassen.

Meine Aufgabe kommt von Melly, die auf Itchy Feet vor allem über das Reisen bloggt und dazu viele ihrer schönen Fotos zeigt. Wenig überraschend daher, welche Aufgabe sie mir gestellt hat: „Da ich mit Berlin einiges verbinde, ist meine Idee nun, dass du etwas über deine Stadt schreibst. Seit wann wohnst du in dieser Stadt? Fühlst du dich dort zu Hause? Hast du Lieblingsplätze oder eine Lieblingseisdiele ;) Insidertipps für Touris? Wenn möglich auch mit ein paar Fotos.“

Wenn mich letztes Jahr um diese Zeit jemand fragte, wie Berlin denn so wäre, antwortete ich meistens: Groß. Damals wohnte ich erst seit ein paar Monaten in der Stadt und obwohl ich mich bereits ziemlich zuhause fühlte, war das eben das erste, was mir bei der Frage in den Sinn kam.

Jetzt, ein Jahr später, werde ich nicht mehr so oft gefragt, wie es mir in Berlin gefällt. Dass die Stadt groß ist, ist mir immer noch sehr bewusst. Man braucht einfach überall lange hin. Mein Weg zur Uni? Eine knappe Stunde. Zu Freundinnen, die ungünstigerweise alle in anderen Ecken wohnen? Um die 45 Minuten. Wenn man nicht lebensmüde genug ist um öfter mal aufs Rad zu steigen, verbringt man hier wirklich viel Zeit unterwegs.

Das finde ich aber gar nicht immer so schlimm. Selten habe ich so viel gelesen wie in diesem Jahr, meistens entscheide ich mich bewusst dagegen, auf dem Weg zur Uni noch hektisch Vokabeln zu lernen oder in die Folien der letzten Vorlesung zu schauen, sondern greife zu einem Buch, dass ich einfach zum Vergnügen lese. Für mich. Und außerdem kann ich nirgends so gut denken wie unterwegs.

Aber natürlich bleibt durch das viele Hin- und Hergefahre unterm Strich weniger Zeit für andere Dinge übrig. Man überlegt sich zweimal, ob man, wenn man gerade nach Hause gekommen ist, am selben Tag wirklich noch einmal irgendwohin fahren möchte. Vielleicht ist es eine faule Ausrede, aber ich glaube, das ist ein Grund, wieso ich eigentlich gar keine schönen Cafés empfehlen kann. Man bleibt dann eben doch eher noch ein Stündchen in der Uni und trinkt dort einen Kaffee. Die Mensa ist mein Stammlokal und die gemütlichsten Cafés sind mir immer noch die WG-Küchen meiner Freunde.

Berlin ist so groß. Und deshalb ein guter Ort, um spazieren zu gehen. Weniger in der Natur, auch wenn es dafür ebenfalls viele schöne Wege gibt, als durch die Straßen, quer durch die Stadt, immer der Nase nach dorthin, wohin einen die Neugier treibt. Darüber, verloren zu gehen, muss man sich keine Sorgen machen, denn irgendein S- oder U-Bahnhof ist immer in der Nähe. Überall sieht es ein wenig anders aus, jeder Bezirk hat seine eigenen Besonderheiten und es gibt unzählige Hauseingänge, durch die man in die Hinterhöfe spähen und sich einen Moment vorstellen kann, wie es wäre, selbst in diesem Haus zu wohnen. Wieso sind Hinterhöfe und beleuchtete Fenster fremder Wohnungen so faszinierend? Egal: hier gibt es unzählige davon. Wäre das Wetter gerade nicht so eindeutig zum Daheimbleiben, würde ich wohl nachher noch auf Wanderschaft gehen.

Ich habe gerade das Gefühl, die Aufgabe nicht besonders zufriedenstellend zu erfüllen. Mit Insidertipps kann ich nicht wirklich dienen, Lieblingsplätze sind flüchtig und obwohl man die ganze Zeit in der Stadt lebt und auch selten mal raus fährt, scheinen mir meine Gedanken dazu recht dünn und beliebig.

Aber je länger ich mich mit dem Thema beschäftige, desto mehr Lust bekomme ich, bewusster meine Umgebung zu entdecken und meine Entdeckungen auch festzuhalten. Um dann auch eine Antwort parat zu haben, wenn jemand nach Empfehlungen fragt. Ich habe also hier mal eine Liste angelegt, die jeder bei Bedarf zu Rate ziehen kann – die ersten Kandidaten aus meinem Eisdielentest sind schon erfasst (leider habe ich erst damit angefangen, als die Eissaison genau genommen schon zu Ende war).

Mieses Wetter und Vorweihnachtstrubel haben es mir leider nicht erlaubt, extra für diesen Beitrag auf Fototour zu gehen. Ich bin aber sowieso der Meinung, dass andere das viel besser können und möchte deshalb noch rasch meine liebsten Seiten voll fotografischer Berlineindrücke mit euch teilen:

In der Rubrik Big in Berlin gibt es auf Mit Vergnügen jeden Montag schöne Fotos der letzten Woche zu sehen. Lena fotografiert zwar noch vieles, vieles mehr als Berlin, muss aber unbedingt an dieser Stelle erwähnt werden. Freunde von Instagram sollten sich dies und das mal anschauen.

Also – nun gemütlich zurücklehnen, vielleicht das Radio einschalten und visuell in Berlinstimmung baden :)

Ich habe mir übrigens auch eine Aufgabe ausgedacht. Hier schreibt Ariane von ihrem Lieblingsgedicht.

Alle Beiträge zur Blogparade findet ihr gesammelt auf Katos Blog Innocent Glow. Vielen Dank für die Organisation, Kato!

Entschleunigung [short stories #3]

Pünktlich zum 1. Juli gab es wieder ein neues Thema für das monatliche Short Stories-Projekt von Bine und Andrea. Das Thema könnte diesmal kaum passender sein: Entschleunigung.

Vor ein paar Tagen schrieb ich, in drei Wochen sei das Semester vorbei. Schon heute sind es nur noch zweieinhalb Wochen. Als ich vorhin überlegt habe, was ich im Juni eigentlich alles gemacht habe, ist mir als allererstes eingefallen: der Zeit hinterher gerannt. Ja, ich würde das Tempo gerne etwas drosseln. Entschleunigung könnte ich gut gebrauchen.

Wir können zwar nicht die Zeit kontrollieren, aber ein bisschen haben wir doch in der Hand, ob sich unsere Tage lang und erfüllt oder öde und trotzdem viel zu kurz anfühlen. Ich habe festgestellt, dass es schon reicht, sich jeden Tag Zeit für eine Kleinigkeit zu nehmen, die nichts mit dem aktuellen Tagesgeschäft zu tun hat. Die einfach Spaß macht und die Seele streichelt.

Ein Spaziergang in der Natur zum Beispiel. Ein Mittagessen mit einer Freundin oder Fußball schauen mit den Mitbewohnern. Seltsamerweise bin ich mit meinem Alltags- und Unikram erfolgreicher, wenn ich zusätzlich etwas ganz anderes gemacht habe, obwohl mir dadurch eigentlich weniger Zeit für alles bleibt. Aber zufrieden und ausgeglichen arbeitet es sich einfach effektiver.

Und wo ist da jetzt die Entschleunigung? An der Länge der Tage oder der Geschwindigkeit des Stundenzeigers kann nun mal wirklich keiner etwas ändern. Aber wenn ich zurückblicken kann auf Tage, die zwar voll, aber erfolgreich und fröhlich waren, dann fühle ich mich gleich viel weniger gehetzt. Dann kommt die Zeit in gemütlichem Spazierschritt daher und macht mir auf einmal viel weniger Angst.

 

Vorgespult

Nur noch drei Wochen bis das Sommersemester vorüber ist. Kaum zu glauben, dass ich dann schon vier Jahre Studium hinter mir habe. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, nie etwas anderes gemacht zu haben. Sonderbar, unsere Wahrnehmung von Zeit und dem, was mit uns selbst passiert.

Was mit dem laufenden Semester zu Ende geht? Ein Stundenplan, der zwar kaum blöder hätte aufgeteilt sein können, der mich aber inhaltlich fast zu 100% begeistert hat. „Mitschüler“ (in den Sprachkursen kommt man sich tatsächlich eher vor wie in der Schule), die jeden Kurs doppelt besuchenswert gemacht haben. Stress an den Wochenenden, weil ich – dank meines zerklüfteten Stundenplans mit Unterricht an jedem Tag – unter der Woche nur das nötigste auf die Reihe bekommen habe.

Mittlerweile kann ich wirklich sagen, dass ich angekommen bin. In der Stadt und an der Uni. Bevor ich hier begonnen habe zu studieren, hat mich, in den kurzen Momenten zwischen Vorfreude und Umzugsstress, doch manchmal die Angst gepackt, in der neuen Stadt womöglich einsam zu sein und zu bleiben. In der Uni allein von Kurs zu Kurs zu gehen und dazwischen ein tristes Dasein in der Bibliothek zu fristen. Mir in der Mensa selbst Gesellschaft leisten zu müssen. Deshalb war es umso schöner, wenn ich trotz vierstündiger Pause kaum zum Lernen gekommen bin, weil ständig jemand da war. Und zu einem Treffen zu kommen und freundlich begrüßt zu werden hat sich nie besser angefühlt.

Bis die Ferien beginnen gibt es noch einiges zu wiederholen, zu lernen (denn was man noch nicht gelernt hat, kann man auch nicht wiederholen, richtig?) und abzugeben. Obwohl ich nicht weiß, wie ich das alles in die kurze Zeit quetschen soll, kommt langsam auch die Motivation zurück, wieder mehr zu bloggen. Lustig, wie Aktivität in einem Bereich andere Bereiche befeuern kann! Schaut also bald wieder vorbei, wenn ihr noch mitlest. Zum Semesterende entwickelt man doch manchmal Superkräfte.

Tageszeit [short stories #2]

Im Januar habe ich bereits einmal bei der Short Stories-Aktion von Bine und Andrea teilgenommen. Danach habe ich dann erstmal einige Monate übersprungen – und jetzt bin ich wieder dabei! Diesmal zum Thema: „Was ist Deine liebste Tageszeit? Wann bist Du in Hochform? Welche Minuten am Tag genießt Du am meisten? Den Morgen, den Mittag oder den Abend?“

Ich bin kein klassischer Frühaufsteher. Alles vor 7 Uhr ist mir eine Qual, 7 Uhr ist zwar meine normale Uniaufstehzeit, aber an manchen Tagen wird das auch etwas schwieriger. Trotzdem ist der Morgen meine liebste Tageszeit. Wenn ich mich dann doch aus den Federn bequemt habe, durch das offene Fenster die frische Luft schon den neuen Tag ankündigt und alles noch ruhig ist, dann ist meine Zeit. Man kann noch so viel tun, wenn der ganze Morgen noch vor einem liegt! Aber erst ins Bad, Radio an und das letzte bisschen Schlaf abduschen. Das Radio läuft auch beim Frühstück weiter, das ich für gewöhnlich mit einem Kaffee aus meiner supertollen Espresso(nicht)kanne* abschließe. Mit dem Kaffee stehe ich dann oft am Küchenfenster und genieße die Morgenstimmung.

Ich mag dieses morgendliche für mich Sein einfach ganz gern – und wenn ich meine Aufsteh-Anzieh-Frühstücks-Rituale dann alle beendet habe, bleibt noch ganz viel Zeit, Dinge zu tun. Dann liegt der ganze Tag noch vor mir.