Woche 3 im Wörterland

Soll: 35 000

Ist: 35 196

Merkt ihr was? Trotz der freien Mittwoche (Mittwochs? Mittwochen?) habe ich endlich aufgeholt und nun wenigstens ein kleines bisschen Hoffnung, bis Dezember die 50.000er-Marke zu knacken.

Leider leidet in den letzten Tagen die Qualität noch mehr als sowieso schon unter dem Tempo. Aber was erwartet man, wenn man völlig planlos anfängt, in 30 Tagen einen Roman zu verfassen? Ich stelle mich auf eine intensive Nachbearbeitungsphase ein und freue mich sogar schon ein bisschen drauf.

Einziger Haken: Langsam macht sich diese innere Stimme, die einem immer alles mies macht und die ich bisher zum Glück ausblenden konnte, immer öfter bemerkbar. „So ein Müll, wer will das denn lesen? Das nennst du Literatur? Völlige Zeitverschwendung!“ Ganz schön nervig, so ein Zwischenruf mitten im Schreibprozess. „Nein, überhaupt nicht“, entgegne ich dann, „ich habe lange nicht mehr so etwas sinnvolles getan.“

Vermutlich werden 90% der Wörter, die ich im November geschrieben habe, hinterher in den Mülleimer wandern und die eigentliche Geschichte, wenn sie denn eine ist, nach der Überarbeitung nicht mehr wiederzuerkennen sein. Aber das ist in Ordnung so! Man könnte sogar sagen: ein Glück!

Die wenigsten Dinge sind von Anfang an perfekt und eigentlich bin ich froh, gerade zu lernen, genau das auch zuzulassen.

Woche 2 im Wörterland

Es gibt eine ganz einfache Methode, um sich nicht mehr schlecht zu fühlen, wenn man etwas vermeintlich Böses, Verbotenes tut: man legalisiert es. Mittwochs ist Schreiben einfach nicht drin. Praktikum und Uni plus Heimweg, da bin ich nicht vor 21 Uhr zuhause. Letzte Woche habe ich mich noch echt schlecht gefühlt, als ich für den Mittwoch eine Null in meinen NaNo-Kalender eingetragen habe. Diese Woche habe ich beschlossen, dass der Mittwoch jetzt sozusagen mein Schreibsonntag ist. Die zweite Null im Kalender hat mich dann schon kein bisschen mehr gekratzt. Eine Methode, die man sich vielleicht auch für andere Fälle merken sollte. Ziele haben und sie erreichen ist toll. Wenn man die Latte aber zu hoch hängt und sich jedes Mal, das man wieder nicht drüber hüpft, mit schlechtem Gewissen und „ich kann das nicht“ runterzieht, dann ist das nicht zielführend. Geben wir uns doch mal eine faire Chance!

Soll: 23 333

Ist: 21 574

Die meisten Wörter an einem Tag: 2288

Der schnellste Tag: Sonntag – 2070 Wörter in einer Stunde. Ist mir immer noch ein Rätsel, wie das passieren konnte.

Highlight: An einem Tag habe ich ein Kapitel geschrieben, dass mir tatsächlich währendessen, hinterher und jetzt noch immer gefallen hat. Bei dem ich mir vorstellen kann, dass es zu den 10 % Text gehört, die es bis in die Endfassung schaffen ;)

Im Moment fühlt sich NaNo an wie eine Kur. Ich fühle mich ernsthaft fitter und zufriedener, ich bin irgendwie optimistischer, was die Zukunft und so weiter angeht, ich habe endlich wieder Ideen – sogar ein paar gute! Das darf gerne so weitergehen. Dann kann ich auch darüber hinwegsehen, dass ich der aktuellen Soll-Zahl ständig um anderthalb Tageslängen hinterherhänge.

Woche 1 im Wörterland

Und schon sind die ersten sieben Tage Schreibwahnsinn vorbei. Zunächst ein paar Zahlen:

Soll: 11 666 Wörter

Ist: 9215 Wörter

Laut Statistik bin ich am 8. Dezember fertig, wenn ich in diesem Tempo weitermache.

Angefangen hatte es eigentlich ganz gut, die ersten vier Tage lang lag ich jeden Tag über den 1667 Wörtern, die man täglich schreiben muss, um exakt in 30 Tagen fertig zu werden. Dann allerdings holte mich am Dienstag der Alltag ein und meine Tageswortzahl schrumpfte auf klägliche 247 Wörter zusammen. Am Mittwoch kam ich gar nicht zum Schreiben.

Am Donnerstag ging es glücklicherweise wieder bergauf, zwar konnte ich den Rückstand bei weitem noch nicht aufholen, aber es ist schon ein ziemlich gutes Gefühl, sich nach einer Flaute überhaupt wieder aufgerafft und weitergemacht zu haben.

Lustig finde ich, dass sich meine Wahrnehmung irgendwie geändert hat, seit ich fast täglich schreibe. Im Alltag fallen mir viel mehr komische und romanwürdige Dinge auf. Der Mann, der im Haus gegenüber eine Stunde lang das gleiche Fenster putzt. Seltsame Leute in der U-Bahn, beflaggte Hundehaufen, außergewöhnliche Gespräche, die ich gezwungenermaßen mit halbem Ohr mithöre. Oft spinne ich das dann automatisch weiter: Putzt der Mann so lange, weil er krank ist? Weil er heimlich etwas auf der Straße unter ihm beobachten will? Weil seine sadistische Ehefrau im Zimmer hinter ihm sitzt und ihn zwingt, so lange zu putzen, bis kein Staubkorn mehr auf der Scheibe klebt?

Im Moment höre ich oft  Musik, während ich schreibe. Immer die gleiche Playlist, immer mit Kopfhörern. Man fühlt sich so ein bisschen, als würde man in die Schreib-Dimension eintreten, wo nur das virtuelle Blatt Papier existiert und darauf wartet, gefüllt zu werden. Meine aktuelle NaNo-Playlist ist diese hier:

So viel zu Woche 1. Eigentlich hatte ich mir diesen Rückblick etwas strukturierter vorgestellt. Aber wie sehr Planung (oder vage Ideen) und die Ausführung dann oft voneinander abweichen, merke ich täglich bei jedem neuen Satz, den ich schreibe ;)

Ich fordere mich heraus

Schon lange steht „Einen Roman schreiben“ ganz oben auf meiner Liste mit Dingen, die ich unbedingt machen will. Und genau so lange habe ich nichts unternommen, um diesen Traum wahr werden zu lassen. Sei es aus Angst, sei es aus Faulheit.

Jetzt gibt es allerdings keine Ausrede mehr. Ich will’s angehen. Jetzt ist die beste Zeit dafür, denn im November ist NaNoWriMo.

NaNowriMo ist kurz für National Novel Writing Month. Das virtuelle (und doch ganz reale) Schreibevent wurde bereits vor einigen Jahren in Amerika ins Leben gerufen. Seither nehmen sich jedes Jahr im November Schreibende aus aller Welt vor, in 30 Tagen einen Roman – in Zahlen: 50.000 Wörter – zu schreiben. Moralische Unterstüzung bekommen die Teilnehmer in den Foren, in denen sie sich über Plots, Protagonisten, Schreibrituale und ähnliches austauschen und sich gegenseitig ermutigen, durchzuhalten. Außerdem haben sich regionale Gruppen gebildet, die sich im November treffen, um gemeinsam zu schreiben.

Schon seit längerem habe ich vor, am NaNoWriMo teilzunehmen, bisher hat es noch nie geklappt. Dieses Jahr habe ich auf Selbstüberlistung gesetzt und bin zum ersten Treffen der Berlin-Gruppe gegangen. Eine gute Entscheidung – jetzt kann ich es kaum noch erwarten, dass endlich der erste November ist und ich loslegen kann!

Wenn ihr mehr wissen wollt, schreibt einen Kommentar oder klickt auf das Banner!

Macht noch jemand beim NaNoWriMo mit? Und für die Nichtschreiber: wann habt ihr euch zuletzt selbst überlistet?