Über den Tellerrand – Blogparade

Vor Kurzem bin ich spontan Katos Aufruf zur Blogparade gefolgt und habe mir mit dem Ziel, Über den Tellerrand zu bloggen, von einer mir zugelosten Bloggerin eine Aufgabe für einen Blogpost außerhalb meiner üblichen Themen stellen lassen.

Meine Aufgabe kommt von Melly, die auf Itchy Feet vor allem über das Reisen bloggt und dazu viele ihrer schönen Fotos zeigt. Wenig überraschend daher, welche Aufgabe sie mir gestellt hat: „Da ich mit Berlin einiges verbinde, ist meine Idee nun, dass du etwas über deine Stadt schreibst. Seit wann wohnst du in dieser Stadt? Fühlst du dich dort zu Hause? Hast du Lieblingsplätze oder eine Lieblingseisdiele ;) Insidertipps für Touris? Wenn möglich auch mit ein paar Fotos.“

Wenn mich letztes Jahr um diese Zeit jemand fragte, wie Berlin denn so wäre, antwortete ich meistens: Groß. Damals wohnte ich erst seit ein paar Monaten in der Stadt und obwohl ich mich bereits ziemlich zuhause fühlte, war das eben das erste, was mir bei der Frage in den Sinn kam.

Jetzt, ein Jahr später, werde ich nicht mehr so oft gefragt, wie es mir in Berlin gefällt. Dass die Stadt groß ist, ist mir immer noch sehr bewusst. Man braucht einfach überall lange hin. Mein Weg zur Uni? Eine knappe Stunde. Zu Freundinnen, die ungünstigerweise alle in anderen Ecken wohnen? Um die 45 Minuten. Wenn man nicht lebensmüde genug ist um öfter mal aufs Rad zu steigen, verbringt man hier wirklich viel Zeit unterwegs.

Das finde ich aber gar nicht immer so schlimm. Selten habe ich so viel gelesen wie in diesem Jahr, meistens entscheide ich mich bewusst dagegen, auf dem Weg zur Uni noch hektisch Vokabeln zu lernen oder in die Folien der letzten Vorlesung zu schauen, sondern greife zu einem Buch, dass ich einfach zum Vergnügen lese. Für mich. Und außerdem kann ich nirgends so gut denken wie unterwegs.

Aber natürlich bleibt durch das viele Hin- und Hergefahre unterm Strich weniger Zeit für andere Dinge übrig. Man überlegt sich zweimal, ob man, wenn man gerade nach Hause gekommen ist, am selben Tag wirklich noch einmal irgendwohin fahren möchte. Vielleicht ist es eine faule Ausrede, aber ich glaube, das ist ein Grund, wieso ich eigentlich gar keine schönen Cafés empfehlen kann. Man bleibt dann eben doch eher noch ein Stündchen in der Uni und trinkt dort einen Kaffee. Die Mensa ist mein Stammlokal und die gemütlichsten Cafés sind mir immer noch die WG-Küchen meiner Freunde.

Berlin ist so groß. Und deshalb ein guter Ort, um spazieren zu gehen. Weniger in der Natur, auch wenn es dafür ebenfalls viele schöne Wege gibt, als durch die Straßen, quer durch die Stadt, immer der Nase nach dorthin, wohin einen die Neugier treibt. Darüber, verloren zu gehen, muss man sich keine Sorgen machen, denn irgendein S- oder U-Bahnhof ist immer in der Nähe. Überall sieht es ein wenig anders aus, jeder Bezirk hat seine eigenen Besonderheiten und es gibt unzählige Hauseingänge, durch die man in die Hinterhöfe spähen und sich einen Moment vorstellen kann, wie es wäre, selbst in diesem Haus zu wohnen. Wieso sind Hinterhöfe und beleuchtete Fenster fremder Wohnungen so faszinierend? Egal: hier gibt es unzählige davon. Wäre das Wetter gerade nicht so eindeutig zum Daheimbleiben, würde ich wohl nachher noch auf Wanderschaft gehen.

Ich habe gerade das Gefühl, die Aufgabe nicht besonders zufriedenstellend zu erfüllen. Mit Insidertipps kann ich nicht wirklich dienen, Lieblingsplätze sind flüchtig und obwohl man die ganze Zeit in der Stadt lebt und auch selten mal raus fährt, scheinen mir meine Gedanken dazu recht dünn und beliebig.

Aber je länger ich mich mit dem Thema beschäftige, desto mehr Lust bekomme ich, bewusster meine Umgebung zu entdecken und meine Entdeckungen auch festzuhalten. Um dann auch eine Antwort parat zu haben, wenn jemand nach Empfehlungen fragt. Ich habe also hier mal eine Liste angelegt, die jeder bei Bedarf zu Rate ziehen kann – die ersten Kandidaten aus meinem Eisdielentest sind schon erfasst (leider habe ich erst damit angefangen, als die Eissaison genau genommen schon zu Ende war).

Mieses Wetter und Vorweihnachtstrubel haben es mir leider nicht erlaubt, extra für diesen Beitrag auf Fototour zu gehen. Ich bin aber sowieso der Meinung, dass andere das viel besser können und möchte deshalb noch rasch meine liebsten Seiten voll fotografischer Berlineindrücke mit euch teilen:

In der Rubrik Big in Berlin gibt es auf Mit Vergnügen jeden Montag schöne Fotos der letzten Woche zu sehen. Lena fotografiert zwar noch vieles, vieles mehr als Berlin, muss aber unbedingt an dieser Stelle erwähnt werden. Freunde von Instagram sollten sich dies und das mal anschauen.

Also – nun gemütlich zurücklehnen, vielleicht das Radio einschalten und visuell in Berlinstimmung baden :)

Ich habe mir übrigens auch eine Aufgabe ausgedacht. Hier schreibt Ariane von ihrem Lieblingsgedicht.

Alle Beiträge zur Blogparade findet ihr gesammelt auf Katos Blog Innocent Glow. Vielen Dank für die Organisation, Kato!

Stadt. Land. Liebe #2

Kurz vor Ende des Monats schaffe ich es doch noch, meinen Beitrag zu Stadt. Land. Liebe im April zu tippen. Wer noch nicht weiß, worum es geht, kann hier alles nachlesen.

Auch in diesem Monat hat sich Ariane wieder ganze fünf Aufgaben ausgedacht, eine schöner als die andere. Ich hab mir davon zwei herausgesucht, und auch, wenn meine Umsetzung dieses Mal sehr dürftig ausfällt, möchte ich euch hier meine Ergebnisse zeigen.

Laufe von deiner Wohnung aus genau hundert Schritte. Mach ein Foto von dort, wo du stehst.

Als aller erstes musste ich hier an den Film I cento passi/1oo Schritte denken. Wie immer, wenn es um Filme oder Bücher geht, erinnere ich mich leider kaum noch an die Geschichte, aber so viel weiß ich noch: es geht um die Mafia, der Film erzählt eine wahre Geschichte und ist sehenswert.

Mit hundert Schritten kommt man tatsächlich gar nicht so weit, wie man denken könnte. Allein dreißig Schritte habe ich gebraucht, um überhaupt erst aus dem Hof heraus zu kommen. Bis zur nächsten Straßenecke hat es dann noch gereicht, dort bin ich stehen geblieben und habe mich umgeschaut.

100Schritte1

Vor mir ein eher unspektakulärer Anblick. Der typische orangene Mülleimer mit mehr oder weniger flottem Spruch, Gebüsch, dahinter Häuser. Dann drehte ich mich um.

100Schritte2

Hinter mir an einer Hauswand hatte jemand diesen Spruch aufgesprüht. Liebe essen. Ich grüble immer noch über die Bedeutung nach – hat es mit dem Sprichwort „Sich von Luft und Liebe ernähren“ zu tun?

Dieses Bild führt mich direkt zur nächsten Aufgabe:

Oft sind Straßen, Plätze, Ampeln oder Mauern voll von Botschaften, die Menschen hinterlassen haben – Street Art, Graffitis, Aufkleber, Anzeigen, Schilder, … Fange ein paar dieser Botschaften ein.

StreetArt1

Dieser mehr oder weniger künstlerische Schriftzug fand sich direkt neben der essbaren Liebe. Und auch hier fühle ich mich an einen italienischen Filmtitel – La vita è bella/Das Leben ist schön – erinnert.

Meine Street Art-Ausbeute war nicht besonders groß, etwas eher außergewöhnliches habe ich aber noch:

Kacke

Nicht gerade geschmackvoll, das muss ich zugeben. Aber lustig fand ich es, dass sich der Häufchenbeflagger nach einigen Monaten Abwesenheit wieder ans Werk gemacht hat. Und ist es nicht auch irgendwie eine Art Botschaft?

Stadt. Land. Liebe #1

Ariane von heldenwetter ruft bei ihrer neuen Aktion stadt.land.liebe dazu auf, die eigene Nachbarschaft zu erkunden. Es ist schade, wenn man die schönsten Ecken in nächster Nähe erst nach einer Ewigkeit (oder niemals) entdeckt. Diese Erfahrung habe ich schon mehr als einmal gemacht. Grund genug, mit auf Entdeckungstour zu gehen!

Wenn man durch meine Nachbarschaft streift, fallen zunächst die breiten Gehwege auf, die auf beiden Seiten der Straße so viel Platz einnehmen wie die Straße selbst. In der Mitte sind sie mit großen Gehwegplatten ausgelegt, dort geht man; die großzügigen Ränder sind mit kleineren Steinen gepflastert und augenscheinlich den Hunden vorbehalten. Statt „nicht auf die Ritzen treten“ sollte man hier wohl „nicht auf die kleinen Steine treten“ spielen. Entlang der größeren Straßen stehen alle paar Meter große, dunkelgrün gestrichene Wasserpumpen. Jedes Mal, wenn ich an einer vorbeigehe, möchte ich wissen, wieso sie dort stehen. Bisher habe ich noch jedes Mal versäumt, es herauszufinden.

Die Häuser in meinem Viertel sind ausnahmslos hoch, breit und mit mindestens einem Hinterhof ausgestattet, ein Relikt aus den Zeiten, als in dem Stadtteil noch hauptsächlich Arbeiter wohnten und Wohnraum knapp war. So kommt es, dass hier auf engstem Raum wirklich viele Menschen leben. Dennoch fühlt man sich nicht eingeengt; zwischen den Häusern entspannen sich freie Flächen, Spielplätze, Kleingartenkolonien, Hinterhöfe. Oft pfeift der Wind rau durch die Häuserschluchten.

Parallel zu meiner Straße fließt die Panke, streckenweise ein richtiger Fluss, in meiner Gegend ein eher träger, künstlich befestigter Kanal.  Langsam zieht sie sich an schmalen, bewachsenen Ufern entlang. Hierhin kommt man, wenn man Spazieren gehen und ein bisschen Natur um sich haben will. Langsam macht sich dort nun auch der Frühling bemerkbar.

Wenn man hier durch die Straßen läuft, hört man neben Deutsch auch viel Türkisch, Arabisch und andere Sprachen. „Multiethnisch“ nennt man solche Stadtgebiete. In einem Umkreis von 10 Minuten Fußmarsch gibt es zwei Moscheen, verschiedene internationale Supermärkte und unzählige Möglichkeiten, Döner zu essen. Diese Dönerladendichte ist ein Segen, wenn man hungrig nach Hause kommt und nichts im Kühlschrank oder keine Lust zu kochen hat. Eine Qual jedoch, wenn man hungrig unterwegs zu einer Essensverabredung ist und auf dem Weg zur U-Bahn ständig den verlockenden Geruch von gegrilltem Fleisch und frischem Fladenbrot in der Nase hat.

Mein Stadtviertel ist recht schmutzig, (noch) nicht besonders angesagt und hat nicht den besten Ruf. Aber ich fühle mich hier sicherer als in gesitteteren Gegenden, in denen man später am Abend keiner Menschenseele mehr begegnet. Ich gehe gerne durch die Straßen und entlang des Kanals spazieren und lasse die Freiheit zwischen den Häuserbergen auf mich wirken. Und ich fühle ein leises Kribbeln im Bauch, wenn ich die Straße erblicke, die sanft den Hang hinauf steigt wie in Richtung eines Abenteuers.

„Eine Stadt lebt im Auge, im Ohr, in der Nase des einzelnen Betrachters.“ Jonathan Franzen

Mehr Infos zum Projekt findet ihr hier.